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Telegramm 60: Nur ein kurzer Altweibersommer

Nun sind sie doch noch da, die so sehnlichst erhofften späten Sommertage. Beinahe ganz Europa liegt unter einem Hochkeil. Durch den Hochdruckeinfluß lösen sich die Wolken auf und es wird zunehmend heiter. Auf der Rückseite des Hochkeils wird mit einer südlichen Strömung etwas angefeuchtete Warmluft herangeführt.

Wetterlage am 22. September 2010 15:00 UTC: Fast ganz Europa liegt durch einen relativ schnell durchziehenden Hochkeil unter Hochdruckeinfluß. Quelle: Naval Research Laboratory

In gewisser Weise kann man von einem Altweibersommer sprechen, doch das Glück währt nur kurz, denn der Hochkeil wandert nach Osten weiter, und ein von Westen herannahender Trog mit Tiefdruckgebieten sorgt für eine erneute Wetterverschlechterung in Europa.

Der Altweibersommer zählt zu den sogenannten Singularitäten, also Wetterlagen die sich zu bestimmten Zeiten im Jahreslauf mehr oder weniger regelmäßig einstellen. Der Altweibersommer tritt typischerweise im September auf. Die Wetterlage ist gekenntzeichnet durch ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über großen Teilen Europas, welches schönes Wetter bringt, weil die Luft in einem Hochwirbel großflächig absinkt und sich dabei erwärmt, wodurch sich die meisten Wolken auflösen.

 

Wetterlage am 22. September 2010 15:00 UTC: Noch hält sich der Hochkeil über Europa. Doch von Westen naht ein Trog mit Tiefdruckgebieten. Im Bereich des Hochs haben sich vielerorts Bodennebel gebildet, die sich im Laufe des Tages bei zunehmender Erwärmung durch die Sonne wieder auflösen. Quelle: Naval Research Laboratory

In der Nacht und in den frühen Morgenstunden können sich allerdings Bodennebel bilden: Wegen der schon recht weit fortgeschrittenen Jahreszeit kühlt die Luft in Bodennähe nachts stark ab. Die absinkenden, immer wärmer werdenden Luftmassen des Hochs treffen auf die kalten bodennahen Luftschichten und werden aufgehalten. Es bildet sich eine stabile Luftschichtung (warme über kalter Luft), eine Absinkinversion. Enthält die bodennahe Luft genug Feuchtigkeit, so können Bodennebel entstehen. Im Laufe des Tages allerdings, erwärmt die Sonne den Erdboden und dieser die Luftschichten darüber, so daß sich die Bodennebel wieder auflösen. Die von unten erwärmte Luft steigt auf (labile Luftschichtung, kalte über warmer Luft) und kühlt sich dabei ab. Bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit kommt es zur Wolkenbildung. Es entsteht eine Schichtbewölkung, da die aufsteigende Luft bald auf die deutlich wärmeren absinkenden Luftmassen trifft, die ihren weiteren Aufstieg verhindern. Die warme Luft im Hoch wirkt also als Sperrschicht.

Jens Christian Heuer

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  1. Simon
    7. Juni 2011 um 22:14

    Schade, lieber Herr Heuer, dass Sie hier nicht mehr schreiben – das war nämlich eine tolle Lern- und Informationsquelle, Ihr Blog! Na, jedenfalls im (späten) Nachhinein noch ein Dankeschön für die vielen Infos.

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