Startseite > Telegramme, Wetter > Telegramm 54: Wetterlage am 15. August 2010 – Cut Off über Europa

Telegramm 54: Wetterlage am 15. August 2010 – Cut Off über Europa

Am 15. August 2010 hat sich über Europa ein Cut Off ereignet. Dabei haben sich der Höhentrog über West- und Mitteleuropa als cyclonaler Kaltluftwirbel und der Hochkeil über Osteuropa als anticyclonaler Warmluftwirbel von der Höhenluftströmung (Jetstream) abgespalten. Beide Druckgebilde sind dynamisch stabil und bewegen sich nun unabhängig vom Jetstream, welcher sich inzwischen weiter nördlich wieder regeneriert hat. Er ist zonal, mäandert also nur wenig, da der Temperaturkontrast zwischen der polaren Kaltluft und der (sub)tropischen Warmluft  durch die vorangegangene meridionale Luftzirkulation erheblich verringert wurde. Der Temperaturkontrast wird sich aber wieder neu aufbauen, da ein zonaler Jetstream nur einen geringfügigen Temperaturausgleich zustande bringt.

Der warme anticyclonale Wirbel sorgt weiter für Hochdruckeinfluß in Osteuropa. Die Hitzewelle und Trockenheit in Rußland kann so noch eine Weile anhalten. Die Temperaturen sind inzwischen auf um die 30°C zurückgegangen. Auf dem Satellitenbild des Naval Research Laboratory in den USA  mit den eingezeichneten 500 hPa Isohysen ist das alles gut zu erkennen.

Wetterlage am 15. August 2010 09:00 UTC: Cut Off eines cyclonalen aus einem Höhentrog und eines anticyclonalen Wirbels aus einem Hochkeil. Der mit kühler Luft angefüllte cyclonale Wirbel enthält ein dynamisches Tief, das in Mitteleuropa für zum Teil heftige Unwetter sorgt. Der mit Warmluft angefüllte anticyclonale Wirbel über Osteuropa wirkt als blockierendes Hoch. Die inzwischen regenerierte Höhenströmung verläuft weit nördlich.Quelle: http://www.nrlmry.navy.mil/sat-bin/over.cgi

Die hellblau eingezeichneten 500 hPa- Isohypsen beschreiben eine Fläche mit Ebenen, Bergen und Tälern, entsprechend der Höhe über dem Boden, in welcher der Luftdruck auf 500 hPa gefallen ist (Höhenangaben in Dekametern). Eine warme Luftsäule dehnt sich sich in der Vertikalen mehr aus als eine kalte, so daß  der mit zunehmender Höhe fallende Luftdruck die 500 hPa auch erst in einer größeren Höhe erreicht. Die Berge der 500 hPa – Fläche kommen also durch warme, die Täler dagegen durch kalte Luft zustande. Die hellblauen Isohypsen verbinden Orte, die jeweils in derselben Höhe liegen. Liegen die Isohypsen eng beieinander, dann besteht ein starkes Temperatur- und Druckgefälle zwischen den Luftmassen. Da dieses Temperatur- und Druckgefälle die Höhenluftströmung antreibt, zeigen die Isohypsen auch den Verlauf und die Stärke dieser Strömung.

Der cylonale Wirbel enthält ein dynamisches Tief, das auf seiner Nordseite feuchtwarme Luft aus Osteuropa nach Mitteleuropa lenkt. Dort trifft sie auf die kühle Luft aus dem ehemaligen Höhentrog, und es entwickeln sich heftige Unwetter (labile Luftschichtung, Bildung hochreichender Quellwolken) mit Starkregen, Gewitterstürmen und Hagelschauern.

Jens Christian Heuer

Advertisements
Kategorien:Telegramme, Wetter Schlagwörter:
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 30. August 2010 um 18:03

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: