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Telegramm 53: Wetterlage am 12. August 2010 – Sommer der Wetterextreme

Seit Wochen haben wir nun schon eine blockierende Wetterlage mit einem Trog über West- und Mitteleuropa und einem Hochkeil über Osteuropa (incl. großen Teilen Rußlands).

Wetterlage am 12. August 2010 12:oo UTC: Die hellblau eingezeichneten 500HPa-Isohypsen zeigen (indirekt) den Verlauf der Höhenluftströmung (in ca. 5,5-6km Höhe). Der Trog mit den Tiefdruckwirbeln über West- und Mitteleuropa und der sich östlich anschließende wolkenfreie Hochkeil sind gut zu erkennen. Quelle: Naval Research Laboratory

Auf der Rückseite des Troges führt eine nordwestliche Strömung kühle und feuchte Meeresluft heran, auf der Vorderseite des Troges bzw. der Rückseite des Hochkeils gelangt aus Südwesten  (sub)tropische Warmluft nach  Osteuropa. Tiefdruckwirbel im Trog sorgen immer wieder für zum Teil heftige Niederschläge und Gewitter. Durch den Starkregen kam es in den vergangenen Tagen zu Überflutungen in Tschechien, Österreich und Sachsen. Neben millardenschweren Sachschäden gab es leider auch einige Todesopfer. Im Einflußbereich des Hochkeils herrscht extreme Hitze und Trockenheit.

 

Immer wieder brechen großflächig Torf- und Waldbrände aus. Die enorme Rauchentwicklung verpestet die Luft. Die Folgen sind katastrophal. Viele Menschen, vor allem Alte, Kranke und kleine Kinder leiden unter Kreislaufstörungen und Atembeschwerden. Allein in Moskau sterben zurzeit pro Tag fast doppelt so viel Menschen wie sonst. Anstatt 360-380 wie an einem normalen Tag, sind es jetzt über 700!

Rauchschwaden nehmen den Einwohnern Moskaus den Atem und die Sicht. Quelle: AP 

Auch Pakistan und China erleben derzeit Wetterkatastrophen. In Pakistan sorgt ein ungewöhnlich heftiger Monsunregen für Überschwemmungen bei denen bisher schon über 1500 Menschen zu Tode kamen und mehrere hundertausend obdachlos wurden. In China kam es nach Starkregen zu Sturzfluten und Erdrutschen. Einige hundert Menschen  ertranken oder wurden verschüttet.

Überschwemmungen nach extremem Monsunregen in Pakistan. Quelle Reuters

Die augenblickliche Häufung von extremen Wetterlagen ist  auffällig, war aber auch schon in den letzten Jahren immer wieder zu beobachten.

Hitzewellen einerseits, Starkregen andererseits, so hatten es die Klimamodelle schon lange als Folge der globalen Erwärmung vorhergesagt und so scheint es nun leider auch einzutreffen.

Der vermehrte Starkregen läßt sich so erklären: Die ansteigenden Temperaturen erhöhen die Wasserverdunstung – auch im Mittelmeer – und damit die Luftfeuchtigkeit. Dadurch kondensieren bei der Wolkenbildung mehr Wassertröpfchen aus, so daß entsprechend mehr Kondensationswärme frei wird. Diese zusätzliche Wärme verleiht der Luft in der Wolke mehr Auftrieb, was wiederum die Wolkenbildung und die Bildung von Regentropfen enorm verstärkt. Auch die Wassermenge, die insgesamt ausregnen kann, ist bei höherer Luftfeuchtigkeit natürlich größer. Das alles begünstigt heftige Unwetter mit Starkregen, so wie wir sie jetzt wieder erleben.

Der Trend zu blockierenden Wetterlagen im Sommer könnte vielleicht mit der überproportionalen Erwärmung der Arktis zusammenhängen, die eine Folge der globalen Erwärmung ist. Dadurch verringert sich das in dieser Jahreszeit sowieso schon relativ schwach ausgeprägte Temperaturgefälles an der Polarfront weiter. Die Höhenströmung wird dann derart langsam, daß sich blockierende Wetterlagen mit einer meridionalen Zirkulation besonders leicht einstellen können. Hitzesommer verbunden mit langanhaltender Trockenheit werden dadurch wahrscheinlicher. Die überproportionale Erwärmung der Arktis hat vor allem mit der sogenannten Eis-Albedo-Rückkopplung zu tun:  Wenn das stark  reflektierende Meereises schmilzt, wird die Sonnenstrahlung durch die dann freiliegende dunkle Wasseroberfläche verstärkt absorbiert. Eine anfangs nur geringe Erwärmung wird so positiv verstärkt.

Einen anderen Mechanismus schlägt der britische Meteorologe Julian Hunt am University College London vor: Durch die zunehmende Erwärmung verstärken sich konvektive Prozesse, so daß die vertikale auf Kosten der horizontalen Luftzirkulation zunimmt. Dadurch wird die Höhenströmung ausgebremst, was dann wiederum eine meridionale Luftzirkulation begünstigt. Außerdem können bei einer nur verhältismäßig schwachen horizontalen Luftzirkulation blockierende Hochs länger überdauern. Hunt konnte diesen Mechanismus mit einem Modell erfolgreich demonstrieren.

Im Zusammenhang mit dem Extremwetter in Rußland, Pakistan, und China und Sachsen bleibt ein mulmiges Gefühl. Auch wenn einzelne Wettergeschehnisse die globale Erwärmung nicht „beweisen“, so erscheint doch ein Zusammenhang zumindest plausibel. Genau werden wir es erst in einigen Jahrzehnten wissen, wenn dieser Sommer in eine korrekte Wetterstatistik eingegangen ist, die allein einen Klimawandel wissenschaftlich bestätigen kann.

Doch schon heute ist das Vorsorgeprinzip zu beachten. Sinnvoll erscheinen die Förderung und Umsetzung technischer Innovationen auf dem Energiesektor (Somnne, Wind, Kernspaltung, Kernfusion anstatt fossiler Brennstoffe).

Mit fossilen Brennstoffen als Hauptenergiequelle gibt es kaum eine langfristige positive Zukunftsperspektive für die Menschheit. Man stelle sich einmal vor, Sommer mit Hitzewellen wie in Rußland und Überschwemmungen wie in Pakistan würden auch nur annähernd zum Regelfall!

Jens Christian Heuer

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