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Arktisches Meereis 2010 auf neuem Rekordminimum!

Nach einem verspäteten, aber ungemein beschleunigten Wachstum bis März, begann das arktische Meereis – mit einem Monat Verspätung – im April zu schrumpfen. Im Mai nahm die Eisausdehnung mit einer Rate von mehr als 50% über dem Durchschnitt ab und erreichte am Monatsende ein absolutes Rekordminimum. Sogar die Kurve des bisherigen Rekordjahres 2007 wurde seitdem unterschritten (Stand 1.Juli 2010).

Arktische Meereisausdehnung vom 1.März bis 1. Juli 2010 Quelle: NSIDC

Die arktische Meereisausdehnung im Jahre 2007 war so gering gewesen, daß die Experten bisher von einem statistischen Ausreißer nach unten infolge besonderer Wetterbedingungen ausgingen, denn die in der Arktis infolge der Eis-Albedo-Rückkopplung überproportional ansteigenden Temperaturen reichten als alleinige Erklärung einfach nicht aus. (Zur näheren Erklärung: Beim Abschmelzen des Meereises der Arktis kommt die darunter liegende, wesentlich dunklere Wasseroberfläche mit einem deutlich geringeren Reflektionsvermögen (Albedo) zum Vorschein. Die Sonnenstrahlung wird nun in wesentlich größerem Umfang absorbiert. Wasser und daüberliegende Luftschichten erwärmen sich deutlich mehr als zuvor. Es liegt eine sich selbst verstärkende positive Rückkopplung vor. Je mehr Eis geschmolzen ist, umso stärker die Erwärmung, wodurch noch mehr Eis schmilzt usw.usf.)

Mit den besonderen Wetterbedingungen, die hinzu kamen, ist eine Anomalie in der Luftzirkulation über der Nordhalbkugel gemeint: Über Kanada etablierte sich im Sommer 2007 für längere Zeit ein Hoch und über Sibirien gleichzeitig ein beständiges Tief. Beide Druckgebilde lenkten von Süden sehr viel warme Luft in die Arktis, wodurch die Temperaturen stark anstiegen. Das Hoch sorgte außerdem für einen Wind, der das Meereis aus der Arktis nach Süden trieb.

Der Beaufort Meereswirbel im westlichen Arktischen Ozean wird durch ein beständiges polares Kältehoch angetrieben. Neugebildetes oder vom Wirbel eingefangenes Meereis kann hier mehrere Jashre zirkulieren und so eine beträchtliche Dicke erreichen. Eis in der Transpolardift des östlichen Arktischen Ozeans verläßt die Arktis dagegen binnen ein oder zwei Jahren. Im Falle einer  beständigen sommerlichen Zirkulationsanomalie mit einem Hoch über dem nordkanadischen Archipel und Tiefs über Sibirien, gelangt vermehrt warme Luft in die Arktis (rote Pfeile), und  der Abtransport des Meereises mit der Transpolardrift wird verstärkt (blauer Pfeil). Quelle: AMAP (verändert)

Im Jahre 2008 nahm die arktische Meereisausdehnung nur unwesentlich zu, und auch die Zirkulationsanomalie war wieder da. Auch 2009 gab es kaum Veränderungen. Dazu ein wichtiger Hinweis: Normalerweise folgt auf ein Jahr mit geringer eines mit deutlich höherer Eisbedeckung, denn der offene nicht mehr vom Eis isolierte Ozean kühlt im Winter besonders schnell aus. Umso bemerkenswerter die tatsächliche Entwicklung!

Es gibt übrigens noch einen weiteren Mechanismus, der den Abschmelzprozeß des arktischen Meereises beschleunigt. Infolge der verstärkten Eisschmelze in den letzten jahren hat der Anteil des mehrjährigen, stabilen  Meereises gegenüber dem jungen, einjährigen,wesentlich schmelzanfälligeren Meereises immer weiter abgenommen. Der Grund: Das einjährige ist wesentlich dunkler als das mehrjährige Meereis, weil es durch zahlreiche kleine offene Wasserflächen unterbrochen ist. Wasser hat eine deutlich niedrigere Albedo als Eis (oder gar Schnee) und absorbiert daher mehr Sonnenlicht.

Die folgende Grafik zeigt den längerfristigen Trend beim arktischen Meereis noch einmal sehr schön im Überblick, wobei hier nicht die Eisausdehnung, sondern das Eisvolumen dargestellt wird. Das ist noch aussagekräftiger, da der Abschmelzprozeß des arktischen Meereises ja nicht nur die Eisfläche, sondern ganz besonders auch die Eisdicke betrifft.

Anomalien der arktischen Meereisvolumina von 1980-2010. Quelle: NSIDC 

Es könnte durchaus sein, daß das Klimasystem in der Arktis schon einen Kipp-Punkt erreicht hat, wo selbstverstärkende Prozesse zum unaufhaltsamen und entgültigen Verlust des Meereises führen. Käme es dazu, so würde sich die globale Erwärmung wiederum beschleunigen, denn der Erde würde einer ihrer beiden größten reflektierenden Eisschilde fehlen, die Albedo  des Planeten also merklich abnehmen.

Auch das augenblickliche, schon länger anhaltende Aktivitätsminimum der Sonne hat es bisher nicht vermocht die arktische Meereisschmelze zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Im Gegenteil, vieles spricht sogar für eine Beschleunigung!

Der zusätzliche, menschengemachte Treibhauseffekt erweist sich hier, im Bündnis vereint mit positiven Rückkopplungseffekten, als unerwartet zäher Widersacher der schwachen Sonne.

Jens Christian Heuer 

Quellen: NSIDC, AMAP

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Kategorien:Klimawandel
  1. Albrecht Glatzle
    3. Juli 2010 um 11:58

    Ich verstehe Sie nicht, lieber Herr Heuer, aus verschiedenen Gründen:
    1) Warum ist Ihnen ein bisschen Unterschreiten der jahreszeitlichen Eisausdehnung des Jahres 2007 überhaupt eine Meldung wert? Die Linie des Jahres 2010 steuert ja schon wieder schnurstracks auf diejenige des Jahres 2007 zu, die ihrerseits Mitte Juni stark und anhaltend nach unten abgeknickt war. Als außerdem im März dieses Jahres die arktische Eisausdehnung (seit 2002) ein absolutes Maximum aufwies, habe ich in der Presse und von Ihnen nichts gelesen oder gehört: http://www.ijis.iarc.uaf.edu/en/home/seaice_extent.htm .
    2) Ich weiß nicht, auf welchen Daten die von Ihnen gezeigten Grafiken aufbauen. Die Arctic Sea Ice Volume Anomaly, die Sie aufzeigen, widerspricht den Daten des International Arctic Research Centers (siehe unter 1 genannten Link). Im März 2010 war die Eisausdehnung größer als im Jahre 2002. Laut Ihrer Grafik, war sie jedoch erheblich geringer. Und als im Jahre 2009 das Alfred Wegener Institut die Eisdicke in der Arktis sondierte, übertraf diese alle Erwartungen.
    3) Ihre Grafiken beginnen mit dem Jahre 1980. Wie Sie wissen, hatte die arktische Mitteltemperatur in den 1930-er Jahren ein Maximum und Ende der 70-er ein Minimum. Schon die gezielte Auswahl des Datenbereichs zeigt die alarmistischen Absichten der Autoren der von Ihnen gezeigten Grafik.
    4) Ihr letzter Abschnitt greift alle Reizworte auf: „Kipp-Punkt“, „beschleunigte Meereisschmelze“, „menschengemachter Treibhauseffekt mit positiven Rückkopplungseffekten, als unerwartet zäher Widersacher der schwachen Sonne“. Leider belegen die von Ihnen gezeigten Daten nichts davon und bei genauem Hinsehen sind sie sehr, sehr selektiv. Ja, seit Climategate muss man sogar von dem Usus der Datenmanipulation in manchen „einschlägigen“ Instituten ausgehen.

  2. 4. Juli 2010 um 19:09

    Eine Bewertung der Vorgänge in der Arktis sollte spätestens in der Mitte der 1910er Jahre anfangen. Seit dieser Zeit gibt es nicht nur hinreichend verlässliche Daten, wie ich sie in meinem Buch „How Spitsbergen Heats the World , The Arctic Warming 1919-1939“ (BoD, Norderstedt, 2009, http://www.arctic-heats-up.com/ ) dargestellt habe, sondern im Winter 1918/19 gab es einen enormen Wärmeschub, der zu einer 20 Jahre anhaltenden Erwärmung der Nordhalbkugel führte. Daraus ließen sich viele Erkenntnisse für die derzeitigen Vorgänge gewinnen. Wer sie ignoriert und das tut die moderne Wissenschaft nahezu durchgehend (siehe dazu die ausführlichen Ausführungen in dem Buch), lässt notwendige wissenschaftliche Gründlichkeit vermissen.
    Zu früheren Ausarbeitungen zu diesem Thema, siehe: http://www.arctic-warming.com/

  3. Safet Vajzovic
    4. Januar 2011 um 21:46

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    sagen Sie mir bitte ob meine Theorie richtig ist:

    „Wenn global gesehen eine Erderwärmung stattfindet, muss dem zu Folge in der Luft mehr Feuchtigkeit vorhanden sein. Daraus resultieren mehr Regen- und Schneefälle. Beispiel die Überschwemmungen in Pakistan und Australien sowie mehr Schnee in Amerika und Europa. So gesehen wird es auch mehr Schnee auf den Polen geben. Dh. wir erleben zur Zeit nur eine warme Übergangsperiode Richtung Eiszeit“.

    Mit freundlichen Grüßen

    Safet Vajzovic
    +49 175 69 67 225

  4. Safet Vajzovic
    4. Januar 2011 um 21:47

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    sagen Sie mir bitte ob meine Theorie richtig ist:

    „Wenn global gesehen eine Erderwärmung stattfindet, muss dem zu Folge in der Luft mehr Feuchtigkeit vorhanden sein. Daraus resultieren mehr Regen- und Schneefälle. Beispiel die Überschwemmungen in Pakistan und Australien sowie mehr Schnee in Amerika und Europa. So gesehen wird es auch mehr Schnee auf den Polen geben. Dh. wir erleben zur Zeit nur eine warme Übergangsperiode Richtung Eiszeit“.

    Mit freundlichen Grüßen

    Safet Vajzovic

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