Startseite > Wetter > Unwetter über der Arabischen Halbinsel

Unwetter über der Arabischen Halbinsel

Über der Arabischen Halbinsel ereignen sich zurzeit heftige Gewitter mit Hagelschauern. Ein für die dortige Bevölkerung nicht ganz alltägliches Wettergeschehen. Die folgenden Bilder geben einen kleinen Eindruck davon.

06_nt_amr_almasri_clouds_5

Dunkle Quellwolken (Gewitterwolken, Cumulunimbus) kündigen das Unwetter an. Quelle:  http://www.gulfnews.com/

06_nt_laeeq_hassan_hail_5

Trotz hoher Temperaturen von über 30°C gab es stellenweise beachtliche Hagelschauer. Quelle:  http://www.gulfnews.com/

06_nt_zia_muhammed_hail_5

Insbesondere für kleinere Kinder war das eine neue Erfahrung. Quelle:  http://www.gulfnews.com/

hailstorm Arabica

Auch Erwachsene hatten ihren Spass. Quelle: http://www.saudigazette.com.sa/

07_ae_rain_staff08_hadrian_5

Vielerorts gab es erhebliche Überschwemmungen. Quelle: http://www.gulfnews.com/

Eindruckvoll ist auch das Satellitenbild der betroffenen Region von Meteosat, dass eine perlschnurartig aufgereihte Kette von mächtigen Gewitterzellen zeigt:

EUMETSAT 12052009 1800 UTC

Wetterlage am 12. Mai 18:00 UTC, Infrarot-Komposit Meteosat: grün = tropische Warmluft, blau = polare Kaltluft, weiss = hohe Wolken, ockergelb = mittelhohe Wolken, rot = absinkende Luftmassen in der Stratosphäre zeigen Tiefdruckgebiete an (Durch Divergenzen in der Höhenströmung werden nicht nur Luftmassen von unten gehoben, sondern auch von oben angesaugt; Ausbildung einer Tropopausenfalte und Absinken der darüber befindlichen stratosphärischen Luft). Quelle:EUMETSAT

Wie kommt nun eine solche Wetterlage zustande? Um diese Frage zu beantworten, betrachten wir eine Höhenkarte des 300 hPa Niveaus des privaten Wetterdienstes MeteoGroup :

Africa_2009051218_wind300_24

Wetterlage am 12.Mai 2009 18:00 UTC. Auf der Karte sieht man die 300 hPa-Fläche (Geopotential, weisse Linien mit Zahlen). Die 300 hPa-Fläche  entspricht in jedem Flächenstück der Höhe über dem Boden in welcher der Luftdruck auf 300 hPa gefallen ist (Höhenangaben in Dekametern!). Der Luftdruck nimmt mit zunehmender Höhe allmählich ab und zwar in warmer Luft deutlich langsamer als in kalter Luft, da sich warme mehr in der Vertikalen ausdehnt als kalte Luft. Das 300 hPa – Niveau in einer Warmluftsäule wird also erst in relativ grösserer Höhe erreicht. Die 300 hPa – Fläche bildet  eine Art “Landschaft” mit “Bergen” (Warmluft) und “Tälern”(Kaltluft). Die weissen Linien (Isohypsen) der 300 hPa – Fläche verbinden folglich Orte miteinander, die jeweils in derselben Höhe liegen. Die Isohypsen zeigen auch den Verlauf der Höhenwinde, deren Richtung durch Pfeile angedeutet wird. Die Geschwindigkeiten der Höhenwinde können anhand der Farben abgelesen werden. Quelle: MeteoGroup

Man erkennt leicht den mäandernden Suptropenjetstream. Dieser kräftige Höhenwind wird hier durch den mit der Höhe zunehmenden Temperaturgradienten (und dem entsprechenden Druckgradienten) zwischen der warmen tropischen und der etwas kühleren subtropischen Luft angetrieben. Überschreitet der Jetstream eine bestimmte kritische Geschwindigkeit, so beginnt er zu mäandern.

An der Vorderseite des Troges (Wellental des mäandernden Jetstreams) über dem östlichen Nordafrika kommt es zu einer Divergenz, d.h. die Luft wird von oben angesaugt. Am Boden begegnen sich eine südwestliche und eine nordöstliche Strömung, so dass die Luftmassen konvergieren und gehoben werden. Durch diese Tiefdruckkonvergenzlinie am Boden bilden sich die Gewitterzellen quer über die Arabische Halbinsel. Die Gewitterzellen beziehen ihre Energie von dem vertikalen Temperaturgradienten (hohe Bodentemperaturen) und aus der freiwerdenden Kondensationswärme bei der Wolkenbildung und übertragen diese Energie wiederum teilweise auf den Jetstream, wodurch dessen Windgeschwindigkeiten zunehmen.

Die hohen Bodentemperaturen sorgen für eine starke Konvektion, so dass die in den Gewitterzellen heranwachsenden Hagelkörner von den Aufwinden lange getragen werden. Sie werden so derart gross, dass sie trotz der hohen bodennahen Lufttemperaturen den Erdboden erreichen.

Jens Christian Heuer

Advertisements
Kategorien:Wetter
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: