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Kalter Frühlingsanfang 2009

Am Freitag den 20. März 2009 ist offizieller Frühlingsanfang und trotzdem wird es nach einem milden Intermezzo wieder kälter. Die milden, aber leider auch häufig regnerischen Tage hatten wir dem Wiedereinsetzen der Westwinde zu verdanken.

Die Westwinde der mittleren Breiten entstehen da, wo tropische Warmluft und polare Kaltluft an der Polarfront direkt aufeinander treffen. Infolge des hohen Temperaur- und Druckgradienten, durch die mit der Höhe sich zunehmend auswirkende unterschiedliche vertikalen Ausdehnung von Warm- und Kaltluft,entstehen unter dem Einfluss der Erdrotation starke, von West nach Ost gerichtete Höhenwinde (Jetstream), die sich bis zum Boden hin durchsetzen (Westwindzone). Aus Divergenzen (Konvergenzen) in der turbulenten Strömung des Jetstreams entwickeln sich aufwärtsgerichtete, cyclonale (abwärtsgerichtete, anticylonale), dynamische Tiefdruckwirbel (Hochdruckwirbel), welche tropische Warmluft und polare Kaltluft miteinander vermengen. Bei Erreichen einer kritischen Geschwindigkeit bildet die Höhenströmung Rossby-Wellen mit Wellenbergen (Hochkeile) und Wellentälern (Höhentröge) aus. Die warmluftgefüllten Hochkeile entsprechen Hochdruck-, die kaltluftgefüllten Höhentröge Tiefdruckzonen. Das erkennt man auch sehr schön an der anticyclonalen Umströmung der Hochkeile und der cyclonalen Umströmung der Höhentröge. Auf der Nordhalbkugel ist die Drehrichtung innerhalb der anticyclonalen Wirbel im Uhrzeigersinn, in cyclonalen Wirbeln gegen den Uhrzeigersinn. Man beachte, dass die Höhenströmung von West nach Ost verläuft.

Bisher hatte die Westwinde den Winter 2008/2009 nur wenig geprägt, ganz im Gegensatz zu den meisten Wintern der letzten Jahre. Die Westwinde bringen milde Atlantikluft und im schnellen Wechsel dynamische Tiefdruckgebiete (und Zwischenhochs) nach Europa.  Innerhalb der aufwärtsgerichteten Tiefdruckwirbel werden die Luftmassen gehoben und kühlen dabei ab, so dass sich Wolken bilden können. Unter den Zugbahnen der Tiefdruckgebiete herrscht daher meist wechselhaftes,  regnerisches und wegen der mitgebrachten Atlantikluft auch mildes Wetter.

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Wetterlage am 10. März 00:00 Uhr UTC. Eine nur schwach mäandernde Höhenströmung mit milder Atlantikluft aus dem Westen lenkt ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen nach Europa. (Interpretation der Höhenkarte hier) Quelle: http://www.wetter3.de/

Ein Blick auf die Wetterlage von heute zeigt eine grundlegende Veränderung der Strömungsverhältnisse. Die Höhenströmung mäandert deutlich stärker und hat Rossby-Wellen mit Hochkeilen und Höhentrögen ausgebildet.

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Wetterlage am 18. März 18:00 Uhr UTC. Eine stark mäandernde Höhenströmung hat einen gewaltigen Hochkeil ausgebildet, der vom Ostatlantik über  West- bis nach Mitteleuropa reicht. Über Osteuropa liegt direkt angrenzend ein kaum minder grosser Höhentrog. Quelle: http://www.wetter3.de/

Innerhalb des grossen Hochkeils, der sich vom Ostatlantik bis Mitteleuropa erstreckt, sinken die Luftmassen grossflächig ab und erwärmen sich dabei, so dass die Wolkenbildung zurückgeht und es zunehmend aufheitert (Hochdruckschönwetter).  

Die Höhenstömung an der Vorderseite des Hochkeils (und der Rückseite des Höhentroges) über Mitteleuropa führt gleichzeitig polare Kaltluft von Nordwesten heran, wodurch es in Mittel- und Osteuropa deutlich kälter wird. Im Einflussbereich des Höhentroges, wo die Luftmassen gehoben werden und infolge der damit verbundenen Abkühlung Wolkenbildung einsetzt kommt es vermehrt zu Niederschlägen, die vor allem in höheren Lagen auch als Schnee fallen können (Tiefdruckschlechtwetter). 

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Infrarot-Satellitenbild vom 18.März 2009 18:00 Uhr. Hochkeil und Höhentrog sind anhand des Verteilungsmusters der Wolken gut auszumachen. Über dem östlichen Mittelmeer liegt ein besonders schön ausgeprägter Tiefdruckwirbel (Interpretation der Infrarotaufnahme hier). Quelle: http://www.sat24.com/

In den kommenden Tagen wird sich die Wetterlage zunächst nur wenig ändern. Lediglich die nordwestliche geht durch eine „Kippbewegung“ des Hochkeils in eine nordöstliche Strömung über. Die aus Nordost herangeführte Luft ist eher noch kälter, da sie praktisch rein kontinentalen Ursprungs ist. Ein wahrhaft kalter Frühlingsanfang!

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Vorhersage Frühlingsanfang: Wetterlage am 20. März 18:00 Uhr UTC. Einen Tag später hat der Wind in Mitteleuropa von Nordwest auf Nordost gedreht. Es bleibt kalt. Quelle: http://www.wetter3.de/

Der Wetterwechsel dieser Tage ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine Veränderung des Schwingungsmusters in der Höhenströmung die Wetterlage vollkommen verändert.

Jens Christian Heuer

Verwandter Artikel: Wetterlage 17.Februar2009 – Kaltluft aus dem Norden

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Kategorien:Wetter
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